FRONLEICHNAM…DER HIMMEL UNTERWEGS

Fronleichnam –

Zeit, das Innerste nach außen zu tragen

An Fronleichnam wird der Glaube auf Straßen und Plätzen öffentlich bezeugt und gefeiert, dass Jesus beim letzten Abendmahl seine bleibende Gegenwart in Brot und Wein verheißen hat.

Das verrät auch bereits der Name: „fron” für „Herr, heilig” und „lichnam” für „lebendiger Leib”. Damit ist Fronleichnam auch ein zweiter Gründonnerstag.

Was uns Menschen im Inneren bewegt, sucht seinen Ausdruck auch im Außen. In der Öffentlichkeit, im öffentlichen Raum. Demokratie als solche wäre undenkbar ohne Kundgebungen und Umzüge auf Straßen und Plätzen. Revolutionäre Umstürze autoritärer Regime der ehemaligen Ostblockstaaten wurden letztlich durch den „Druck auf der Straße” zu Fall gebracht. Doch auch Kunst und Kultur präsentieren sich zuweilen im Freien. Es gibt also Zeiten, in denen es gilt, „Flagge zu zeigen”. Und so ist Fronleichnam jenes Fest, an dem der Glaube auf die Straße hinausgetragen wird, an dem gezeigt wird, wovon das Christsein getragen ist und aus welcher inneren Freude es nach außen drängt.

Foto: Manfred Danner

 

Foto: Manfred Danner

Theologischer Hintergrund

Im Mittelpunkt des Fronleichnamsfestes, das am zweiten Donnerstag nach Pfingsten gefeiert wird und von „fron” („Herr, heilig”) und „lichnam” („lebendiger Leib”) abgeleitet ist, steht das Geheimnis der Eucharistie, die Gegenwart Christi in der Gestalt von Brot und Wein. Damit ist der Bezug zum Gründonnerstag deutlich.

So gesehen ist Fronleichnam ein sogenanntes Herrenfest, das der Glaubenserfahrung Ausdruck verleiht, dass Christus unter uns und mit den Menschen alle Tage bis ans Ende der Zeiten unterwegs ist (Mt 28,20).

Das Fest und seine Form mit Prozession und Segnungen von vier im Freien aufgestellten Altären aus, die den vier Himmelsrichtungen entsprechen, spiegelt sehr stark die mittelalterliche und barocke „Schaufrömmigkeit”, die es liebte, den „Himmel” auf Erden „sichtbar” zu machen. Das Fest wurde – durch die Initiative der Mystikerin Juliana von Lüttich – von Papst Urban IV. 1264 für die gesamte westliche Kirche vorgeschrieben, brauchte aber zu seiner Annahme und Feier in ganz Europa noch einige Jahrzehnte. Eine Prozession ist erstmals in Köln im Jahr 1274 bezeugt.

Heute scheint sich nach Jahrzehnten der Krise wieder eine Renaissance des Fronleichnamsfestes anzubahnen: in vielen Pfarrgemeinden erfreut sich die Fronleichnamsprozession, in der um das Wohl der ganzen Schöpfung gebetet wird, großer Beliebtheit. Oft werden für die Pfarrgemeinde bedeutende Knotenpunkte mit vorrangigen Themen ihres Ortes verbunden – ob beim Altersheim für alte Menschen gebetet wird oder bei einem Altar in naturnaher Umgebung um verantwortungsvollen Umgang mit der Natur.

Bei der Prozession wird das gewandelte Brot in einer Monstranz vom Priester getragen, begleitet von einem kunstvoll bestickten und über Monstranz und Priester gespannten Tuch, das den Himmel symbolisiert.

Quellenangabe:

Katholische Kirche in Oberösterreich (Hrsg.) (o.A.): aufdanken – Gott in der Zeit des Menschen. Linz: Eigenverlag. URL: www.aufdanken.at[Stand: 06/2014]

 

 

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